Europas führender Fußballklub: Erfolgsmodell FC Porto.

Allein vier Titel aus dem Jahr 2011: Der Gewinn der Euro-League, der nationalen Meisterschaft, des nationalen Pokals, und des portugiesischen Supercups. Darüber hinaus hat der FC Porto seit dem Gewinn der Champions-League 2003/2004 einen satten Transferüberschuss von fast 270 Mio. Euro erwirtschaftet. Und das ohne mit dem Verkauf der besten Spieler seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Diesen Balanceakt beherrscht der Verein europaweit als Einziger.

In der Transferperiode 2011/2012 erwirtschaftete der Verein einen Transferüberschuss von sage und schreibe fast 70 Mio. Euro. Ausgaben in Höhe von 12 Mio. Euro für 22 Zugänge stehen 17 verkaufte Spieler entgegen, die insgesamt über 80 Mio. Euro an Einnahmen generierten. Allein für Superstar Hulk zahlte Zenit St. Petersburg an den FC Porto 50 Mio. Euro. Für diesen Spieler gab der Verein einmal die stolze Summe von 20 Mio. Euro aus. Drei Jahre später ist er mehr als das Doppelte Wert und bringt dem Verein satte 30 Mio. Euro Transfergewinn!

Das dahinter eine wirtschaftliche Strategie steckt, zeigt das Beispiel eines anderen Superstars. Dessen Vertragsverlängerung 2011 ging rein wirtschaftliches Kalkül voraus. Kurz nach Ende der Spielzeit 2010/2011 unterschrieb der damalige Superstar des FC Porto Falcao vorzeitig bis 2014. Im Zuge dessen wurde seine Ablöse angeblich auf 45 Mio. Euro festgeschrieben. Für einen Spieler, den der Klub 2009 für etwas mehr als 5 Mio. Euro einkauft hatte und der ihn mit seinen Toren zum UEFA-Cup Sieg 2011 schoss. Letztendlich strich der Verein für ihn satte 35 Mio. Euro als Transfergewinn ein. Wieder einmal ein gutes Geschäft für den von seinen Fans als „Drachen“ bezeichnete Klub. Zusätzlich sorgten die 15 Mio. Ablöse, die der FC Chelsea für den damaligen Trainer André Villas-Boas 2011 überwies, für einen hohen Gewinn in der Transferbilanz des Vereins.

Seit dem Gewinn der Champions-League unter José Mourinho 2004 erzielte der Klub in den danach acht folgenden Transferperioden durchschnittlich 30 Mio. Euro Gewinn. In nackten Zahlen heißt das: 252 Mio. Euro Ausgaben für Spielereinkäufe und 520 Mio. Euro an Einnahmen für Verkäufe. Die daraus resultierenden 262 Mio. Euro an Erlösen ist in etwa die Summe, die der FC Bayern im selben Zeitraum in seiner Transferbilanz an Defizit einfuhr.

Nicht minder beeindruckend ist die Anzahl der Transfers. Allein in der Saison 2009/2010 kamen 54 neue Profis, 55 alte mussten gehen (Quelle: transfermarkt.de). Daneben veräußert der Verein regelmäßig prozentuale Anteile an Transferrechten seiner Spieler, um kurzfristig die Liquidität zu erhöhen. Oder behält Beteiligungen an seinen ehemaligen Spielern beim Weiterverkauf, und profitiert so zusätzlich.
Auswirkungen auf die sportliche Wettbewerbsfähigkeit hatte das Kommen und Gehen für den FC Porto kaum. Allein 15 nationale Titel gewann der Verein seit dem letzten Champions-League Triumph. Mit seinen Erfolgen und schlauer Transferpolitik beeindruckt der Klub jedes Jahr aufs Neue:

Der Abgang von Falcao, oder auch anderer Leistungsträger wie Lisandro Lopez und Aly Cissokho davor, sind das Resultat sportlichen Erfolgs kombiniert mit dem klubeigenen Anspruch, den Wert seiner Spieler in der Bilanz zu steigern“, beschreibt der FC Porto seine ganz eigene Philosophie.

Transfermarkt Teil der Erlösstrategie des Vereins

Mit den drei klassischen Einnahmequellen im Fußball generiert der FC Porto weit weniger als die Spitzenvereine in den großen Ligen Europas. Gerade einmal 57 Mio. Euro kamen aus TV-Rechten, Hospitality und Werbung in der Saison 2009/2010 zusammen. Damit ist der Verein weit entfernt von einem Platz in der Football Money League, der jährlichen Rangliste der 30 umsatzstärksten europäischen Vereine. Der FC Bayern als Vierter dieser Aufstellung machte hier fast sechsmal so viel Umsatz wie der portugiesische Spitzenklub.

Die Studie ist eine reine Umsatzbetrachtung. Mögliche Transfererlöse verfälschen die Vergleichbarkeit operativer Geschäftstätigkeiten, deshalb berücksichtigen wir sie dabei nicht. Einerseits weil sie sehr volatil sind, andererseits weil sie vielleicht beim FC Porto mit zum Geschäftsmodell gehören, bei anderen Vereinen aber nicht“, sagt der Autor der Studie, Stefan Ludwig, von Deloitte.

Der FC Porto macht also aus seiner Not eine Tugend und kreiert neue Erlösquellen, um international mithalten zu können. Das Wundermittel lautet zu erwartende Transferüberschüsse, die der Verein Jahr für Jahr perspektivisch in seine finanziellen Planungen mit einrechnet und die Ausgaben daran orientiert. Denn ohne die 35 Mio. Euro Gewinn aus den Spielerverkäufen hätte in der Bilanz 2009/2010 ein dickes Minus gestanden. So gelang es ein positives operatives Ergebnis vor Steuern in Höhe von knapp 3 Mio. Euro zu erzielen. Auch in den Jahren zuvor rettete sich der Verein nur mit Hilfe der klugen Transferpolitik ins operative Plus.

Trotz der Beschränkungen im europäischen Transfermarkt hat der FC Porto es immer verstanden, seine Mannschaft mit hochtalentierten Spielern auszustatten. Jeder Spieler für sich trägt nicht nur zum sportlichen Erfolg bei. Er stellt gleichzeitig die Möglichkeit für den Verein dar, hohe Veräußerungsgewinne zu erzielen“, verkünden es die „Drachen“ vollmundig im vorletzten Geschäftsbericht.

Sportliche Rahmenbedingungen perfekt für Erlösmodell

Abgeleitet hat der FC Porto seine innovative Transferpolitik von den eigenen sportlichen Rahmenbedingungen. Das fast unerschöpfliche Reservoir an Spielern internationaler Klasse erlangt der Klub über drei Säulen im sportlichen Bereich.

An erster Stelle ist da die hauseigene Jugendakademie, die immer wieder neue Nachwuchsstars hervorbringt. Der sportliche Verlust nach einem Transfer wird meist durch eigene Spieler kompensiert. So wurde Carvalho (heute Real Madrid) durch Pepe (heute Real Madrid) und der durch Bruno Alves (heute Zenit St. Petersburg) in der Innenverteidigung in den letzten Jahren gleichwertig aus dem eigenen Nachwuchs ersetzt.

Zweitens gibt es ein exzellentes Scouting-System in Südamerika, vor allem in Brasilien, wo der Klub immer wieder unentdeckte Talente aufspürt. Dabei lockt er brasilianische Jungstars mit der fehlenden Sprachbarriere und seiner exzellenten sportlichen Perspektive: Die Spieler können sich Jahr für Jahr auf der großen europäischen Fußballbühne präsentieren. Eine Win-Win-Situation, denn neben der Marktwertsteigerung des Spielers für den Verein, verzichten viele dieser Spieler für solche Perspektiven auf ein großes Gehalt.

Als dritte Säule kauft der FC Porto als „FC Bayern der portugiesischen Liga“ immer wieder die besten Spieler anderer Vereine. Lediglich Benfica Lissabon kann dabei noch als Konkurrent angesehen werden. Ein Blick auf die Mannschaft beim letzten Champions-League Sieg 2004 zeigt diese drei Säulen des sportlichen Erfolgs: Drei eigene Jugendspieler, drei Brasilianer und fünf aus Portugals Liga gekaufte Spieler standen damals in der Startformation. Das lässt sich ohne weiteres auch in den Folgejahren beobachten.

Die Anforderungen an das Klubmanagement sind mit dieser „Buy low, sell high-Strategy“ immens hoch. Einerseits müssen die Verantwortlichen den erfolgsverwöhnten Fans und Medien ständig gleichwertigen Ersatz präsentieren. Andererseits ist der Verein auf Gedeih und Verderb auf eine absolut erfolgreiche Transferpolitik angewiesen.
Dafür steht beim FC Porto Präsident Jorge Nuno Pinto da Costa, der seit 1982 im Amt ist. Schon zuvor war er lange Jahre für die Fußballabteilung in verantwortlicher Position tätig. Erst unter seiner Ägide wurde bei Anhängern, Klubgremien und Medien ein Bewusstsein für Transfererlöse als notwendige zusätzliche Einnahmequelle geschaffen. Es ist gerade diese Sensibilisierung des klubeigenen Umfelds, die eine solche Strategie für ihre erfolgreiche Umsetzung braucht. Auch deshalb und wegen einer völlig anderen Konkurrenzsituation, ist das Modell des FC Porto keine geeignete Blaupause für die Bundesliga.

Bei 18 Vereinen in einem so verschärften Wettbewerb wie der Bundesliga, kommt ein solches Modell vielleicht für zwei, drei Vereine in Frage. Zudem ist ein derart langfristiges Denken nicht immer möglich, da mit der Konsolidierung eines Vereins automatisch die Erwartungshaltungen steigen. Nicht nur bei den Anhängern und Medien, auch bei den Aufsichtsgremien. Dann kommt es als Folge sportlichen Erfolges mit eigenen Jugendspielern in Deutschland zu höheren Ausgaben und zu mehr Risiko bei Transfers“, berichtet Unternehmensberater Thomas Fuggenthaler von Ernst&Young, Advisory und Herausgeber der Studie „Bälle, Tore, und Finanzen“.

Allerdings können sich die Bundesligisten das eine oder andere vom FC Porto abschauen. Einzelne Elemente wie die „Buy low, Sell high“ Strategie verfolgen Vereine wie Werder Bremen oder Bayer Leverkusen ja schon seit Jahren. Mehr oder minder erfolgreich. Denn es fehlt ihnen dabei die sportliche Perspektive, jedes Jahr Favorit auf einen nationalen Titel zu sein. Der 1. FC Köln erhöhte in den letzten Monaten seine unzureichende Liquidität durch die Veräußerung von Transferrechten einzelner Spielern an einen Investor. Der FSV Mainz 05 verfolgt in der Bundesliga noch am ehesten die Strategie, aus seinen sportlichen Gegebenheiten ein eigenes Modell zu verfolgen. Sowohl das Spielsystem, als auch der Schwerpunkt auf jungen deutschen Talenten bei Neueinkäufen, werden vom Verein als zugrundeliegende Philosophie vorgegeben.

Allerdings hat bisher noch kein Bundesligist den Mut aufgebracht, eine individuelle und ganzheitliche Strategie aus seinen sportlichen Voraussetzungen nach dem Vorbild des FC Porto zu implementieren und selbstbewusst zu verfolgen. Ökonomische Innovationen sind in Deutschlands höchster Spielklasse eher Mangelware. Die Vereine orientieren sich in diesem Bereich lieber am „Einheitsbrei“ der direkten Konkurrenten. Wer es so macht wie alle anderen, ist vermeintlich auf der sicheren Seite. Noch traut keiner der Verantwortlichen in Deutschland dem Modell „FC Porto“ eine echte Chance im Verdrängungsmarkt „Bundesliga“ zu.
(Artikel vom Oktober 2012).

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