Kommentar: Wie aus Eintracht Zwietracht wurde – Die Tragödie von Braunschweig. 10

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Der ARD-Kommentator feierte in seinem Bericht am Sonntagabend die Braunschweiger Kurve bei der 0:4 Niederlage zu Hause gegen Stuttgart überschwenglich. So tolle Fans, die ihre Mannschaft auch bei solch einem Spielstand noch feiern würden. Dabei feierten die „ach so tollen Fans“ nur ihren Sieg als Aggressoren, als Täter, die vom Verein ihres Herzens auch noch gedeckt worden sind.

(Anmerkung des Autors vom 02.10.2013: Dieser zugegebenermaßen sehr provokante vorherige Satz löste im Fanumfeld der Eintracht und in diversen Foren einen Sturm der Entrüstung aus, den ich aus deren Sicht auch nachvollziehen kann. Klar ist: Nicht jeder, der die Eintracht anfeuert, muss gleich gleich Aggressor oder gar rechtsextrem sein. Leider darf ich mit jetzigen Stand nur eine von diversen Rückmeldungen dazu hier veröffentlichen, siehe Kommentar unten.
Doch weitere Fragen müssen weiter erlaubt sein, ob sie den Eintracht-Anhängern gefallen oder nicht:
– Ist es nicht perfide, ausgelassen seinen Verein zu feiern, der gerade eine große Gruppe von Ultras zu unrecht ausgeschlossen hat? Schlimmer noch, damit ein falsches Signal im Kampf gegen Rechts gesetzt hat, so dass sich die Nazis als Sieger fühlen dürfen?
– Warum haben die Fans nicht ihrerseits ein deutliches Zeichen gegen dieses Handeln der Eintracht gesetzt?
Die Solidarität finden in anderen Stadien statt. Dazu habe ich in vielen Kommentaren sogar große Erleichterung darüber gelesen, dass die Ultras Braunschweig nun ausgeschlossen sind.)

Was war passiert?

Das Drama zeichnete sich eine Woche zuvor beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach ab, wo die Ultras Braunschweig aufgrund einer akuten Bedrohung den Gästeblock auf Aufforderung der mitgefahrenen Fanbetreuer der Eintracht verlassen sollten. Wohl gemerkt die Ultras Braunschweig waren in Gefahr! Denn diese ging nicht von ihnen aus, sondern von einem Teil der rechtslastigen Braunschweiger Fans. Und denen und anderen in der Kurve ist die antirassistische Gruppe schon seit langem ein Dorn im Auge, da sie kontinuierlich über Jahre hinweg auf die Schnittmenge von ortsansässigen Neonaziszene und der aktiven Fanszene der Eintracht hingewiesen hat.

So kam es, wie es kommen musste. Die Ultras Braunschweig mussten raus aus dem Block, wurden trotz dessen von den eigenen Anhängern verprügelt und bespuckt. Noch schlimmer: Sie wurden mit rassistischen und antisemitischen Beleidigungen dabei sogar noch verhöhnt.

Der Verein reagiert nun knapp eine Woche später. Anders als es der gesunde Menschenverstand vermuten lässt, denn er macht die Angegriffenen als die Initiatoren aus, und sperrt sie nun mit Hilfe einer nichtssagenden Presseinfo dauerhaft aus. Wieder einmal findet wie üblich bei Problemen mit Rechtsextremen eine Opfer-Täter-Umkehr statt, wieder einmal ist die Unterstützung aus der Kurve für den Fußballverein wichtiger als richtiges, demokratisches Handeln – ähnlich wie vor einem Jahr bei der Alemannia aus Aachen. Schon damals ahnten die UBs, dass Ihnen ein ähnliches Schicksal drohen kann. Nun ist es so gekommen.

Die Frage, die daraus resultiert:
– Macht sich hier Eintracht Braunschweig nicht auch noch zum Mittäter?
– Ist die wohl formulierte Distanzierung des Vereins vom Rechtsextremismus die Tinte wert, auf dem sie geschrieben worden ist?
– Oder macht er sich nicht mit dieser törichten Entscheidung aus rein sportlichen Überlegungen heraus zur Bühne für Nazis?

Die Eintracht besaß in den letzten Jahren immer schon Zwietracht zwischen antirassistischen und rechten Fans. Damit muss sich der Verein auseinandersetzen, und nicht mit seiner sportlichen Krise. Denn sonst übernehmen die Nazis den Klub endgültig.

Nachtrag vom 02.10.2013: Der Geschäftsführer der Eintracht hat gestern auf Vorwürfe reagiert, dass er bei Facebook mit einem NPD-Funktionär befreundet war. Eine Episode, die man wirklich nicht zu hoch hängen sollte, geschenkt.

P.S.: Leider hat mich nie ein Kommentar oder eine Rückmeldung zu meinem „Lob“ für die Eintracht im Umgang mit rechtsextremen Politikern erreicht, siehe Artikel „Verstärkter Angriff von Rechts„.

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