Monokultur „Fussball“: Das Versagen im deutschen Sport!

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Die Begeisterung der Deutschen für den Fußball wird für die anderen Sportarten zu einem immer größeren Problem: Werbewirtschaft und Sponsoren konzentrieren sich nur noch auf die Fußballclubs. Für viele andere Vereine bleibt trotz herausragender sportlicher Leistungen nicht mehr viel übrig – mit gravierenden Folgen für die Sportlandschaft.

Deutschland bleibt auch nach den Olympischen Spiele in #Rio2016 ein Land der Monokultur im Sport. Nur das Beach-Volleyball-Endspiel mit Laura Ludwig und Kira Walkenhorst schlug bei den TV-Übertragungen quotentechnisch die Sportart „Fußball“, die mit den beiden Endspielen inklusive deutscher Beteiligungen knapp dahinter im Vergleich der absoluten Zahlen folgen:

1. Halbfinale Beach-Volleyball: 8,55 Millionen Zuschauer (MA 28,7 %).
2. Endspiel Männer-Fußball: 8,25 Millionen Zuschauer (MA 43,6 &).
3. Endspiel Frauen-Fußball: 7,72 Millionen Zuschauer (MA 30,6 %).

König Fußball dominiert vor, während, und klar nach Olympia mit dem Bundesligastart weiter das Geschehen in Deutschland. Darüber hinaus haben die Basketballer von Phoenix Hagen einen Insolvenzantrag im Oktober 2016 gestellt. Dabei galt der Verein lange als Vorbild im Kampf gegen die Monokultur #Fußball, wie mein Beitrag im WDR-Magazin sport inside aus dem Jahr 2014 zeigt:

Schuld an der Misere sind für mich der kaum innovative #DOSB und seine einzelnen Sport-Fachverbände, die ebenfalls keinerlei Eigen-Initiative zeigen, um dem entgegenzuwirken. Es darf und muss die Frage gestellt werden: Warum haben die englischen Turmspringer der Olympiamannschaft fast alle über 150.000 Follower auf Instagram, Tom Daley sogar 1,6 Millionen? Und in Deutschland packt das keiner…

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Ob die Sportler nun auf eine Initialzündung ihres Dachverbandes warten, oder selbst zu mutlos sind, mag ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Klar ist aber: Mit Hilfe des Netz und der sozialen Medien waren und sind die Chancen für Randsportarten noch nie größer gewesen, aus dem Schatten dieser zurzeit herrschenden Monokultur regelmäßig herauszutreten. Nur ein Beweis dafür ist Schwimmen: Während #Rio2016 die meist diskutierte Sportart auf Twitter!

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Das zeugt von einer echten Chance mit Hilfe der sozialen Medien dem Fußball die Stirn zu bieten: Doch surft man sich durch die digitalen Angebote der Sport-Fachverbände in Deutschland stößt der User auf Bleiwüsten garniert mit den üblichen Fotos „Gruppenbild mit Dame“ oder „Neuer Vorstand gewählt“. Geschweige denn auf responsive Webseiten, die für alle Endgeräte optimiert sind. Bei den Radrennfahrer kein Zieleinlauf eines Rennens vom Wochenende als Bewegtbild – die immer noch die emotionalsten und wirkvollsten Kommunikationsform sind und entsprechende Aufmerksamkeit generieren könnten. Oder Beispiel Dart-Sport, der momentan nicht zuletzt durch die Sport1-Übertragungen ohne Ende boomt: Die Webseite als unoptimierte Bleiwüste ohne spannende Inhalte:

Neu

Keiner, der mit Hilfe eines Smartphones vielleicht ein Video generiert, und über einen Youtube-Account oder Vimeo-Account hochlädt. Keiner, der einfach mal mit dem Smartphone und seiner hochwertigen Audio-Aufnahmefunktion ein Interview mit dem Sieger führt – oder wenigstens mal ein Foto davon macht, und es aktuell kurz nach dem Wettkampf einfach auf der verbandseigenen Webseite hochlädt. Im Gegenteil: Immer wenn ich Vorträge über die unendlichen Möglichkeiten mit Hilfe des Internets und sozialen Medien in den Verbänden halte, ernte ich nur unglaubiges Staunen. Dabei handelt es um wirklich geringe Anforderungen, die jeder Teenager heutzutage mit links macht. Und alles mit einem handelsüblichen Smartphone möglich, wie mein hier online gestellter Vortrag darüber noch einmal rudimentär aufzeigt:

Auch Olympia-Teilnehmer integrieren nur schwer die sozialen Medien in ihren Alltag
Der Instagram-Account von Rio-Olympiasieger Christoph Harting ist sicher das genaue Gegenteil von Tom Daley. Obwohl beispielsweise Workshops auch für Olympia-Teilnehmer angeboten wurden, sich besser im Netz zu vermarkten, wurden diese kaum angenommen. Im Gespräch mit Lara Hoffmann, deutsche Staffel-Läuferin über 4x400m in Rio, wird schnell klar, wie hoch die Hürden für die Sportler selber sind. Gerade wenn sie noch wie Lara Hoffmann in der dualen Karriere eingebettet sind, und neben 18 Stunden Training die Woche ganz normal studieren:

Sportdeutschland.TV nicht mehr Eigentum des Sports
Nun können mir Kritiker vorwerfen: Ja, aber der DOSB hat doch mit Sportdeutschland TV ein tolles Angebot geschaffen, um Randsportarten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen – und sich gleichzeitig auch weniger abhängig von den Fernsehsendern. Sportdeutschland TV ist eine klasse Idee, nur: Mittlerweile ist der Sport abseits des Fußballs wieder einmal nicht mehr Herr im eigenen Hause, weil der Sender nun seit kurzem Pro7Sat1 gehört. Zum anderen sitzt er nicht mit im Hause des DOSB, sondern weit weg alleine in Köln. Dies mag mit der Sendelizenz zu tun haben, die von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) als Aufsichtsbehörde erteilt worden ist. Aber sonst wenig Sinn macht: Denn wer so ein machtvolles Instrument ernst nimmt, und überall in den Fachverbänden implementieren will, holt diese Business Unit ganz klar ins Stammhaus. Auch und um gerade mit Fortbildungen in Sachen Livestreaming das Angebot seitens aller Sportarten Schritt für Schritt auszubauen, und mit Sportdeutschland als Dienstleister dafür zu agieren, dass jemand seine Kamera auf das Spiel bzw. den Wettkampf hält. Schließlich funktioniert der Sender ja so, dass Sportbegeisterte die Übertragung selber organisieren, und der Sender das technische Knowhow dazu bietet.

Alles im allem auch hier eine verpasste Chance, die es dem Fußball in Deutschland viel zu leicht macht, immer größer zu werden: So verkommt #Sportdeutschland zur Monokultur „Fußball“.

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