50+1-Regel schon längst Makulatur? 2

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Bundesliga-Vereine sind trotz der 50+1-Regel mehr fremdbestimmt, als bisher vermutet!

85 % Prozent der Deutschen sollen laut einer aktuellen Umfrage für den Erhalt der 50+1-Regel sein. Sage und schreibe 6 Bundesligisten sind mittlerweile laut einer qualitativen Untersuchung fremdbestimmt, d.h. der Mutterverein verfügt faktisch nicht mehr über die Stimmrechtsmehrheit in der Vereinsversammlung – oder wird über andere Einflussfaktoren darin ausgebremst. Die so genannten Werksvereine Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg sind wegen ihrer Sonderregelung sogar außen vorgelassen. Die „privaten“ milionenschweren Zuwendungen eines Herrn Kühne beim HSV sowieso. Die üblichen Verdächtigen muss ich den fußballinteressierten Leser nicht näher darlegen, sie sind hinlänglich bekannt:

FC Ingolstadt 04, Hannover 96, RB Leipzig, und die TSG 1899 Hoffenheim. Dazu kommen der TSV 1860 München, und überraschenderweise der FC Augsburg. Wie die Autoren der Universität Leipzig in der oben genannten Studie aufführen, herrscht hier durch ein kompliziertes Konstrukt schon eine hohe Einflussnahme durch externe Personen:

1. Rund 88 % der Kapitalanteile der Spielbetriebsgesellschaft halten Peter Bircks und Thomas Müller über die FCA Investoren- und Beteiligungs-GbR.

2. Die Stadiongesellschaft, welche im mehrheitlichen Besitz der oben genannten FCA Investoren- und Beteiligungs-GbR ist, ist Eigentümer des Stadions, in dem der Klub seine Heimspiele austrägt. Zu diesem Zweck wird das Stadion angemietet.

3. Rechtliche Beziehungen existieren in Form der Einbindung von Peter Bircks im Kontroll- und Leistungsorgan. Er ist Mit-Geschäftsführer der Geschäftsführungsgesellschaft bzw. der Spielbetriebsgesellschaft und Aufsichtsratsvorsitzender des Muttervereins, wodurch ihm wesentliche Entscheidungsrechte zustehen.
(Quelle: Universität Leipzig/Sebastian Bauers, Joachim Lammert & Gregor Hovemann).

Es herrschen also schon jetzt beherrschende Einflussfaktoren bei diversen Bundesligisten vor, die durch multiple Verbindungen wirtschaftlicher und rechtlicher Beziehungen entstehen. Doch diese Art beherrschender Einflussfaktoren berücksichtigt die 50+1-Regel in ihrem Regelwerk überhaupt nicht.

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Es empfiehlt sich daher, die Regel auch auf solche wirtschaftlichen Abhängigkeiten auszuweiten – oder weil sie mit jetzigem Stand nicht das erreicht, was sie soll, vollkommen abzuschaffen. Denn so scheint sie von der Wirklichkeit längst überholt. Vor Einflussnahme dritter Personen über den Verein schützt sie nicht wirklich. Das sollte vor den Diskussionen über mehr und kräftige Geldgeber im deutschen Fußball berücksichtigt werden. So lange der deutsche Fußball hier nicht seine Hausaufgaben macht, sind die Vereine solchen Konstellationen weiter ausgeliefert.


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2 thoughts on “50+1-Regel schon längst Makulatur?

  • Lennart

    Also ich fasse zusammen: 6 von 36 Bundesligisten umgehen die 50+1-Regel auf die eine oder andere Weise. Bei fünf von diesen sechs „Vereinen“ ist das schon hinlänglich bekannt, beziehungsweise sie hintergingen bereits bei ihrer Gründung die 50+1-Regel. Und deshalb soll das ganze System jetzt hinfällig sein?

    Sind nicht vielmehr ein Großteil der sechs Vereine ein Beispiel, wie es in Deutschland nicht laufen sollte? 1860 München, die nach der Übernahme durch einen Investor von einer Peinlichkeit in die nächste und fast in die dritte Liga stürzen? Red Bull Leipzig, die einen Fußballverein mit dem einzigen Ziel gegründet haben, mehr Dosen zu verkaufen und mithilfe ihres Schwestervereins in Österreich Spieler hin- und herschleusen? Hannover 96, das jetzt schon seinen zukünftigen Mehrheitseigner als Präsidenten hat und sportlich dadurch auch nicht gerade glänzt?
    Hoffenheim, wo nicht die Vereinsgremien Spieler verpflichten oder Trainer entlassen, sondern der Mäzen das macht und Kritik an ihm schonmal mit hochfrequenzierten Pfeiftönen zum Schweigen bringt?
    Ingolstadt, wo man selber sagt, dass das Spiel gegen Wolfsburg im Pokal etwas besonderes sei, weil man ja gegen den „großen Bruder“ spiele?

    Achja, und dann sind da noch Wolfsburg und Leverkusen, die sich jedes Jahr in die Champions League kaufen können aber trotzdem ihre kleinen Stadien nicht vollkriegen und die sich in der Sky-Einzelspiel-Option keiner angucken will.

    Andersrum wird ein Schuh draus. Wir brauchen eher weniger als mehr dieser Chaos- und Plastikvereine, die mit ihren quasi unerschöpflichen Geldquellen einen halbwegs fairen wirtschaftlichen und sportlichen Wettkampf in der Bundesliga aushebeln.